Heilige Bergpässe (La)
In Bhutan ist ein Bergpass niemals nur ein geografisches Merkmal. Jeder “La” (Pass) hat einen Geist, eine Geschichte und spezifische Rituale, die Reisende durchführen müssen.
Die drei großen Pässe
1. Dochu La (3.140 m)
Der berühmteste Pass, bekannt für seine 108 Chortens, die von der Königinmutter erbaut wurden. Aber nur wenige Touristen kennen die tiefere Geschichte.
Die verborgene Bedeutung: Dieser Pass markiert die Grenze zwischen West- und Zentralbhutan. In alten Zeiten hielten Händler hier an, um Rituale für eine sichere Durchreise durchzuführen.
Was zu tun ist:
- Umrunden Sie die Chortens dreimal im Uhrzeigersinn
- Bieten Sie Gebetsfahnen am dafür vorgesehenen Platz an
- Suchen Sie bei klarem Wetter nach der gedoppelten Spitze des Mt. Masanggang
2. Pele La (3.420 m)
Zwischen Trongsa und Wangdue gelegen, ist dies einer der heiligsten Pässe Bhutans.
Die verborgene Bedeutung: Benannt nach der Muschel (pe) – der Klang der Muschel wurde hier gehört, als Guru Rinpoche durchkam.
Was zu tun ist:
- Halten Sie an der kleinen Mani-Mauer an (nicht am Hauptparkplatz)
- Fügen Sie einen Stein zum Steinhügel mit aufrichtiger Absicht hinzu
- Hören Sie dem Wind in den Gebetsfahnen – es heißt, er träge Gebete zum Himmel
3. Thrumshing La (3.780 m)
Der höchste befahrbare Pass Bhutans, der Bumthang mit Ostbhutan verbindet.
Die verborgene Bedeutung: Es wurde geglaubt, dass dieser Pass von einem Berggeist bewacht wurde, der besänftigt werden musste. Der Chorten hier enthält Relikte eines großen Lamas, der die lokalen Geister unterwarf.
Was zu tun ist:
- Fahren Sie langsam (Einheimische glauben, dass zu schnelles Fahren den Passgeist erzürnt)
- Hupen Sie nicht (es stört die Geister)
- Halten Sie am Gipfel an und machen Sie drei Umrundungen
Das La-Ritual, das jeder Reisende kennen sollte
Bei der Überquerung eines beliebigen Passes in Bhutan:
- Am Gipfel anhalten – Eilen Sie niemals über einen Pass
- Einen Stein zum Steinhügel hinzufügen – Labtse = Steinhaufen, der den Pass markiert
- Gebetsfahnen anbieten – Lung dar: blau (Himmel), weiß (Wolken), rot (Feuer), grün (Wasser), gelb (Erde)
- Einen Wunsch äußern – Pässe gelten als kraftvolle Orte für das Setzen von Absichten
- Nichts mitnehmen – Nehmen Sie niemals Steine von einem Steinhügel
Die verborgenen Pässe, die wenige Touristen besuchen
Yotong La (3.425 m)
Zwischen Chume und Tang in Bumthang. Dieser Pass hat einen kleinen Tempel, in dem Fahrer anhalten, um Segen vom Mönch zu erhalten.
Besonderes Merkmal: Natürliche Felsformationen, die tibetischen Silben ähneln
Kiki La (2.830 m)
In der Nähe des Haa-Tals mit Blick auf den heiligen Mt. Jomolhari. Einheimische berichten, dass sie hier zur Wintersonnenwende Schneelöwen sehen.
Besonderes Merkmal: Eine natürliche Quelle, die aus festem Felsen entspringt
Passgottheiten und Opfergaben
Jeder größere Pass hat seine eigene Gottheit:
| Pass | Gottheit | Traditionelle Opfergabe |
|---|---|---|
| Dochu La | Lokaler Berggeist | Wacholder-Weihrauch |
| Pele La | Wächter der Ostgrenze | Alkohol (Chang) |
| Thrumshing La | Weibliche Gottheit | Butterlampen |
| Yotong La | Kriegergeist | Pfeilförmige Opfergaben |
Höhentipps für die Passüberquerung
- Gewöhnen Sie sich in Thimphu (2.320 m) oder Paro (2.280 m) an, bevor Sie höhere Pässe überqueren
- Trinken Sie Ingwertee – Traditionelles Mittel gegen Höhenkrankheit
- Vermeiden Sie schwere Mahlzeiten vor der Überquerung
- Tragen Sie warme Kleidung – Die Temperatur fällt auf Passhöhe um 5-10°C
Die Philosophie des Passes
Im bhutanischen Buddhismus repräsentiert ein Pass den Übergang – nicht nur geografisch, sondern auch spirituell:
- Vom gewöhnlichen Raum in den heiligen Raum bewegen
- Vom Schutz zur Herausforderung überqueren (und zurück)
- Die momentane Suspension zwischen Welten
Deshalb werden Stopps an Pässen niemals eilig durchgeführt. Sie sind Momente der Reflexion, der Dankbarkeit und der Verbindung mit der Landschaft.
